Bei uns geht der Kita Streik jetzt in die vierte Woche und abgesehen davon, dass ich mich ohne Erfolg stundenlang darüber aufgeregt habe, tut sich offensichtlich in den nächsten Wochen auch nichts. Das Thema ist nicht in den Medien. Keiner fühlt sich zuständig. Die Front verläuft einfach an der falschen Stelle!
Die Eltern, die ich kenne, können den Druck, der hier aufgebaut wird, einfach nicht mehr weitergeben. Sie routieren nur noch zwischen Plan B und C, wie sie die Bedürfnisse ihrer Kinder, ihre Existenz und den normalen Alltag unter einen Hut bekommen. Da ist die alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, die ihrer Kinder zu ihrer MS-kranken Mutter bringt, damit sie ihren Job nicht verliert, die Studentin, die ihre Prüfungen verschiebt und damit ihr Studium verlängert mit allen finanziellen und karrieretechnischen Konsequenzen, die selbständigen, die schon durch die Wirtschaftskrise ins Trudeln geraten sind und die nun einschließlich der Schließungszeiten im Sommer 10 Wochen nur unter sehr erschwerten Bedingungen überhaupt Aufträge annehmen können. Da sind all die, die einen der begehrten Plätze für unter Dreijährige bekommen haben, die mühsam Job und Familie unter einen Hut bringen und nun müssen sie ihrem Zwerg auch noch das riesen Chaos zumuten, oder sollen sie doch lieber wieder den Job aufgeben?
Eltern kämpfen gerade mit ganz anderen Sorgen, als sich mit den Anliegen der Erzieherinnen auseinander zu setzen. Deren Forderungen sind ohne Frage berechtigt. Auf dem Rücken der Erzieherinnen wird von der Politik großspurig eine Bildungsinitiative in Gang gesetzt, sie sind gesellschaftspolitisch dazu auserkoren den jungen Frauen den Rücken frei zu halten, damit die sich überhaupt trauen Kinder in dei Welt zu setzen, sie sollen all das ausgleichen, was Familien oft nicht leisten und das mit weniger Geld, weniger Jobsicherheit, schlechter Ausbildung und weniger Anerkennung. Auch baulich lässt sich an den Kitas einiges verändern, damit der Schallpegel sinkt, mehr Rückzugsmöglichkeiten oder Tobeecken entstehen, damit der Stress, der für Kinder und Erzieherinnen in gleichem Maße entsteht in Schach gehalten wird.
Doch anders als bei Streiks in Krankenhäusern, wo es ja jedem passieren könnte, dass er plötzlich krank wird und wo potentiell jeder betroffen ist, geht der Streik an die Kitas gerade voll nach Hinten los. Die Kommunen müssen sich ja nicht bewegen, sie sparen ja sogar Geld durch den Steik. Es mehren sich sogar inzwischen die Stimmen, die sagen, was regt ihr Euch auf? “Wer Kinder in die Welt stetzt, der muss sich doch auch darum kümmern.” Und Erzieherinnen wundern sich allen Ernstes, dass die Eltern, die sie bestreiken, nur eingeschränkt Verständnis haben und auch irgendwo das Vertrauen in die Erzieherinnen ihrer Kinder verlieren.
Die einzige, die als Gewinner aus der Situation heraus gehen könnte ist Verdi. Denn sicher gewinnen sie unter den Erzieherinnen in diesen Tagen eine Menge Mitglieder, denn auch die können sich den Verdienstausfall nicht ewig leisten. Hallo, ihr Verdi Vertreter, wacht auf! Kinder sind keine Autos! Die Schäden, die ihr mit dem Streik anrichtet, stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Mit Mitteln von vor 100 Jahren lässt sich dieses gesellschaftliche Problem nicht lösen!
Posted: Juni 5th, 2009 under Allgemein.
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