Familienleben mit vier Kindern in Deutschland

Arme Kinder in Deutschland

Yes – 80 Euro mehr im Monat! … und davon werden wir mit Sicherheit nicht Lotto spielen, aber vielleicht ist dann ja der Musikunterricht für Jannik drin und Nils würde gerne Gitarre lernen.
Aber so schön ich das persönlich finde, so unsinnig finde ich die weiteren Maßnahmen. Warum werden reiche Eltern stärker entlastet als arme? Warum wird die Erbschaftssteuer für hohe Erbschaften herabgesetzt? Und warum wird das alles auf Pump finanziert und damit unseren Kindern in Rechnung gestellt?
Mir kann keiner erzählen, dass das den Konsum ankurbelt. Wer reich ist, der gibt sein Geld nicht aus… da müsste man schon den Armen mehr Geld in die Hand drücken, um den Konsum anzukurbeln. Mir kann auch keiner erzählen, dass es hier wirklich um die Kinder geht, denn die Schere zwischen arm und reich wird hier weiter aufgemacht. Es geht nicht darum, dass alle Kinder gleiche Chancen haben, denn die reichen Kinder sollen bessere Chancen haben. Sie sollen die bessere Bildung genießen und dann den kleiner werdenden Kuchen untereinander aufteilen.
Jedes sechste Kind lebt in Deutschland in Armut bei diesen Kindern kommt nicht mal die Kindergelderhöhung an, weil sie auf Harz IV oder den Unterhaltsvorschuss angerechnet werden. Das betrifft z.B. 800.000 Alleinerziehende… und für diese Kinder ist kein Geld mehr da, weil jemand der 13 Millionen Euro erbt jetzt nur noch 30% statt bisher 50% Erbschaftssteuer zahlt? Kann mir das jemand erklären?

Kita Streik: Die Front verläuft an der falschen Stelle!

Bei uns geht der Kita Streik jetzt in die vierte Woche und abgesehen davon, dass ich mich ohne Erfolg stundenlang darüber aufgeregt habe, tut sich offensichtlich in den nächsten Wochen auch nichts. Das Thema ist nicht in den Medien. Keiner fühlt sich zuständig. Die Front verläuft einfach an der falschen Stelle!

Die Eltern, die ich kenne, können den Druck, der hier aufgebaut wird, einfach nicht mehr weitergeben. Sie routieren nur noch zwischen Plan B und C, wie sie die Bedürfnisse ihrer Kinder, ihre Existenz und den normalen Alltag unter einen Hut bekommen. Da ist die alleinerziehende Mutter mit drei Kindern, die ihrer Kinder zu ihrer MS-kranken Mutter bringt, damit sie ihren Job nicht verliert, die Studentin, die ihre Prüfungen verschiebt und damit ihr Studium verlängert mit allen finanziellen und karrieretechnischen Konsequenzen, die selbständigen, die schon durch die Wirtschaftskrise ins Trudeln geraten sind und die nun einschließlich der Schließungszeiten im Sommer 10 Wochen nur unter sehr erschwerten Bedingungen überhaupt Aufträge annehmen können. Da sind all die, die einen der begehrten Plätze für unter Dreijährige bekommen haben, die mühsam Job und Familie unter einen Hut bringen und nun müssen sie ihrem Zwerg auch noch das riesen Chaos zumuten, oder sollen sie doch lieber wieder den Job aufgeben?

Eltern kämpfen gerade mit ganz anderen Sorgen, als sich mit den Anliegen der Erzieherinnen auseinander zu setzen. Deren Forderungen sind ohne Frage berechtigt. Auf dem Rücken der Erzieherinnen wird von der Politik großspurig eine Bildungsinitiative in Gang gesetzt, sie sind gesellschaftspolitisch dazu auserkoren den jungen Frauen den Rücken frei zu halten, damit die sich überhaupt trauen Kinder in dei Welt zu setzen, sie sollen all das ausgleichen, was Familien oft nicht leisten und das mit weniger Geld, weniger Jobsicherheit, schlechter Ausbildung und weniger Anerkennung. Auch baulich lässt sich an den Kitas einiges verändern, damit der Schallpegel sinkt, mehr Rückzugsmöglichkeiten oder Tobeecken entstehen, damit der Stress, der für Kinder und Erzieherinnen in gleichem Maße entsteht in Schach gehalten wird.

Doch anders als bei Streiks in Krankenhäusern, wo es ja jedem passieren könnte, dass er plötzlich krank wird und wo potentiell jeder betroffen ist, geht der Streik an die Kitas gerade voll nach Hinten los. Die Kommunen müssen sich ja nicht bewegen, sie sparen ja sogar Geld durch den Steik. Es mehren sich sogar inzwischen die Stimmen, die sagen, was regt ihr Euch auf? “Wer Kinder in die Welt stetzt, der muss sich doch auch darum kümmern.” Und Erzieherinnen wundern sich allen Ernstes, dass die Eltern, die sie bestreiken, nur eingeschränkt Verständnis haben und auch irgendwo das Vertrauen in die Erzieherinnen ihrer Kinder verlieren.

Die einzige, die als Gewinner aus der Situation heraus gehen könnte ist Verdi. Denn sicher gewinnen sie unter den Erzieherinnen in diesen Tagen eine Menge Mitglieder, denn auch die können sich den Verdienstausfall nicht ewig leisten. Hallo, ihr Verdi Vertreter, wacht auf! Kinder sind keine Autos! Die Schäden, die ihr mit dem Streik anrichtet, stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Mit Mitteln von vor 100 Jahren lässt sich dieses gesellschaftliche Problem nicht lösen!

Kommentar zur Kindergelderhöhung

Eigentlich ist es doch genial. Man erhöht das Kindergeld um 10 Euro, was zwar keinem wirklich weiterhilft, aber darum geht es ja auch gar nicht - und hat damit endlich mal wieder positive Schlagzeilen. Unsere Regierung tut was für Familien!

Aber ich wollte ja nicht mehr Jammern, immerhin kann ich froh sein, dass das Geld nicht zur Schaffung von Kinderkrippenplätzen verwendet wird, die ich jetzt nicht mehr brauche. Oder wegen der Rettung von Banken ganz ausfällt.

Jetzt wollen Sie sicher noch wissen, was wir mit dem Geldsegen machen? Bei vier Kindern macht die Erhöhung immerhin 52 Euro aus. 34 Euro sind davon schon fest verplant, weil Nils jetzt über die Schule einen Laptop bekommen hat und der kostet 48 Monate lang 34 Euro monatlich. Bleiben noch 18 Euro … da können wir jetzt überlegen, ob wir sie als Kompensation der Erhöhung der Krankenkassenbeiträge ansehen. Bei uns steigt der Satz von 12,9% auf 15,5%, was also rund 100 Euro im Monat ausmacht, wenn ich richtig gerechnet habe, oder als Ausgleich der Preissteigerung….

…in beiden Fällen gleicht das einem Tropfen auf den heißen Stein, aber besser das Geld kommt, als dass die Summe dann auch noch fehlt.

Jammern hat Konjunktur

Immobilienkriese, Finanzkriese… all das ist fast so gruselig wie ein Tsunami. Wenn man sich dann auch noch die Weltwirtschaftskriese von 1929 und ihre Auswirkungen vor Augen hält, dann muss man sich doch Sorgen machen, oder? Dabei betrifft diese Kriese viele Leute, die ich kenne genauso wenig persönlich wie der Tsunami…

Sorgen bringen einen nicht einen Schritt vorwärts. Wenn morgen meine Welt zusammenbräche, dann sollte ich heute das schöne Wetter noch nutzen, um aufzutanken. Wenn ich mich schon mit Sorgen seelisch auslauge, dann habe ich doch gar keine Kraft mehr in einer realen Kriese zu handeln.

Vielleicht jammern so viele auch deshalb so schnell (ich nehme mich da nicht aus), weil sie dann fein raus sind aus der Verantwortung, selber etwas zu ändern, vielleicht sogar etwas für andere zu tun. Wie wäre es mit kreativen Lösungen und der Einsicht, dass man Geld nicht essen kann?

Wir essen jetzt unser Auto!

Wir sind eine Mittelstandsfamilie, beide Ingenieure mit Haus und noch zwei Autos. Bis vor etwa einem Jahr war am Ende des Monats immer noch einbisschen Geld übrig, das wir für Urlaub, die eine oder andere größere Anschaffung oder einfach so auf die hohe Kante legen konnten. Doch im letzten Jahr hat sich das Lebensgefühl drastisch verändert. Wir haben mit vier Kindern nie das Gefühl gehabt, reich zu sein. Zuminstestens nicht finanziell. Aber wenn am Ende des Geldes noch eine Woche Monat übrig ist und dann auch noch eine Rechnung ins Haus flattert, dann ist das nicht lustig.

Gut, haben wir gedacht, dann müssen wir mal ganz genau gucken, wo das Geld verschwindet. Doch es lässt sich kein Übeltäter finden. Jeden Monat haut etwas anderes rein. Mal muss die Brille von Jannik ersetzt werden, weil er sie verloren hat, dann fallen zum Schulbeginn Hefte, Bücher, Klassenkasse, Kindergartenkasse etc. an, dann ist es eine Studienfahrt oder eine Autoreperatur.

Also müssen nun die Löcher gestopft werden. Nun geht es ans Eingemachte. Als erstes muss unser Auto dran glauben, dann gibt es hier noch ein E-Piano und eine brauchbare Spülmaschine (aus der vorherigen Wohnung), vielleicht noch ein Fahrrad…
…ich frage mich nur, was wird, wenn wir die Substanzen aufgebraucht haben?

Kinderwahlrecht

Mancher Missstand und manche Schieflage in der Familienpolik ließe sich mit der Einführung des Kinderwahlrechts aus meiner Sicht zumindest lindern. Ich kann nicht nachvollziehen, warum Kinder kein Wahlrecht haben. Warum hat ein kinderloses Ehepaar das gleiche Stimmrecht wie eine sechs köpfige Familie? Muss man sich dann wundern, warum es noch kein Familiensplitting gibt?

Sie meinen Kinder können noch gar nicht wählen? Kinder sind doch zu sehr beeinflussbar? Da kann ich jede Menge Gegenargumente liefern. Warum verlieren Demenzkranke alte Menschen ihr Wahlrecht nicht? - Aus gutem Grund, damit ihre Belange trotzdem vertreten werden, durch einen Vormund ihres Vertrauens. Meinen Sie wirklich, dass Eltern Parteien wählen, die für ihre Kinder etwas ungünstiges im Sinn haben? Vielleicht kommen auch mehr politische Diskussionen an den Familientisch, wenn Kindern das Wahlrecht zugetraut wird.

Meinem 12 jährigen Sohn traue ich mehr politischen Durchblick zu als manch einem Erwachsenen und vor allem sind Kinder noch Idealisten. Vielleicht würde die Politik ein wenig idealistischer?

Hände weg vom Kindergeld!

Sie glauben doch nicht wirklich, dass es möglich ist das Kindergeld zu versaufen oder dafür Zigaretten zu kaufen, oder? Lassen Sie uns mal rechnen: Wohnraum Minimum 8qm zu 8 Euro/qm sind 64 Euro ok, von mir aus ist das schon warm, dann haben Sie noch 3 Euro pro Tag für Essen und Kleidung. Und dann frage ich Sie, wo Sie das Geld für Eis und Ausflüge hernehmen, für Schulbücher und Hefte, für Kinderbetreuung oder Nachhilfe für Musikunterricht oder Sportverein, für die Telefonrechnung pubertierender Töchter oder die Fahrtkosten für das Mamataxi.

Klar das sind alles Extras, die nicht zum Existenzminimum gehören, aber das Kindergeld ist an dieser Stelle auch schon lange aufgebraucht. Ich finde die Diskussion um eine neue Verwendung des Kindergeldes einfach nur zynisch, wenn ich bedenke wie viel mehr all die Familien, die ich kenne, in Bildung und Wohlbefinden ihrer Kinder investieren. Ganz davon abgesehen, dass es Familien mit schulpflichtigen Kindern gar nichts nützt, wenn es kostenlose Kindergartenplätze gibt.

Kinder kann man nicht planen

Vier Kinder? Das habt ihr so aber nicht geplant, oder?… meistens wird nicht mal eine Frage gestellt. Warum muss ich wildfremden Leuten eigentlich darüber Auskunft geben, was ich geplant habe und was nicht? Und vor allem: Warum ist diese Frage überhaupt so wichtig?

Zunächst mal zu den Fakten: nur 50% aller Kinder sind überhaupt richtig “geplant”, manche lassen lange auf sich warten, andere kommen schneller als man sich das so vorgestellt hatte. Und auch bei den “geplanten” Kindern geht die Rechnung, erst Ausbildung, dann Auto und Haus und dann als Sahnehäubchen noch ein Kind dazu, nicht immer auf…wehe das Kind ist dann anders als “geplant”.

Viel wichtiger finde ich, dass Eltern sich auf ihre Kinder einlassen und dass sie sie so lieb haben, wie sie sind. Sie sind uns nur für eine relativ kurze Zeit anvertraut. Sie sind kein Statussymbol und kein Lebensinhalt…und letztlich lassen sie sich nicht planen. Dieses Wort ist komplett fehl am Platze. Kinder kann man lieben, man kann sie fördern, man kann ihnen ein Nest bauen, man kann ihnen bei Wachsen zusehen, man kann sie stark machen, man kann mit ihren Augen sehen… aber planen kann man Kinder nicht.

Kinderbetreuung unter drei

…ist eigentlich eine gute Idee, wieso gibt es darum eigentlich so lange Diskissionen? Und vorallem: wieso soll die Infrastruktur erst bis zum Jahr 2013 ausgebaut werden? Und: Sollen WIR das nachher auch noch bezahlen?

Gerne hätte ich jetzt zum Sommer hin eine Betreuung für Jannik und Merle gehabt - nicht den ganzen Tag lang, denn da stehe ich auf dem Standpunkt, dass so kleine Zwerge zumindestens einen Teil des Tages noch den Luxus einer exclusiven Bezugsperson genießen sollten. Aber ich will nicht total abgehängt werden von der beruflichen Entwicklung…und außerdem ist ein Kind im Trotzalter, das zu Hause nicht ausgelastet ist durchaus anstrengend!

ABER leider gab es nur drei Plätze und 30 Anmeldungen. Bleibt nur eine private Lösung wie bei Katha und Nils als die beiden klein waren und ich mein Studium beenden wollte…doch die lässt derzeit auf sich warten. Nun frage ich mich aber, wie kann eine Familienministrerin allen Ernstes darüber nachdenken, uns das Kindergeld für unsere vier Kinder zu kürzen, um davon die Kinderbetreuung für unter Dreijährige ab 2013 (!) zu bezahlen???

Also noch mal zum Mitschreiben: Wir bezahlen für vier Kinder privat die Kinderbetreuung und sollen dann noch zusätzlich die Bereitstellung von Betreuungseinrichtungen für künftige Generationen bezahlen? Kann mir mal irgend jemand erklären warum?

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